| Meine Vergangenheit 1 |
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Mischi Ammann, 9. Juni 2009 Ich beobachte, dass sich viele meiner Mitmenschen sehr intensiv mit ihrer Vergangenheit beschäftigen. Offensichtlich, so meine Beobachtung, bekundet diese Beschäftigung grosse Schwierigkeiten. Viele Fragen werden gestellt. Einige Lösungen scheinen bereit. Keine will so richtig stimmig sein. Am Schluss der Beschäftigung habe ich eine Anzahl Rechtfertigungen, wieso ich zum Zeitpunkt x das so gemacht habe, wie ich es eben gemacht habe. Oder, warum ich mich so verhalten habe, aus der Rechtfertigung heraus, weil ich das Erlebnis x über mich ergehen lassen musste .. Ich stelle fest, dass während dieser „Grübeleien" sehr wenig Glücksgefühle erschaffen werden können. Warum wohl? Der Versuch einer möglichen Anschauung: „Wenn ich nicht alles so erlebt hätte, wie ich alles erlebt habe, dann wäre ich nicht dieser wundervolle Mensch, der ich heute bin. Ich könnte mir somit nicht diese Gedanken erschaffen, die ich jetzt erschaffe. Ich könnte auch nicht für Dich schreiben." Was auch immer ich in der Vergangenheit für Lösungen für mich beansprucht habe, zu diesem Zeitpunkt scheinen sie die Besten gewesen zu sein. Ansonsten hätte ich sie nicht gewählt. Somit scheint es unsinnig, mich mit folgendem Satz zu belasten: "Oh, hätte ich bloss." Dieser Gedanke erschaffe ich mir mit Möglichkeiten, welche mir damals nicht zur Verfügung gestanden haben. Was auch immer ich für schwierige Situationen in meinem Leben erfahren habe, dank diesen Erfahrungen bin ich heute soweit, dass ich die Verantwortung über mein Denken übernehmen kann. Somit bin ich an dem Punk angelangt, dass ich meine Vergangenheit einfach Vergangenheit sein lassen kann. Immer in der Überzeugung, dass sie folglich gut ist für mich. Was immer auch war. Ich kann meine Vergangenheit annehmen. Ich möchte noch einfügen, dass ich bis jetzt nie wissentlich einem Mitmenschen vorsätzliches Leid zugefügt habe. Für einen Massenmörder mögen diese Zeilen nicht unbedingt zutreffend sein. Wenn Du Deine Vergangenheit annehmen kannst, so wie sie ist, dann wirst Du Dich sehr befreit fühlen. Ausserdem besteht in meinem Denken noch die folgende Überzeugung: Wir können uns nicht objektiv an unsere Vergangenheit erinnern. Vergangenheit scheint bloss real. Vergangenheit ist eine reine Interpretation. Deswegen ist sie veränderbar. Je nachdem ich meinen Beobachtungswinkel einstelle, scheint sie sich zu verändern. Jetzt meine leicht provokative Frage: Warum soll ich mich also stundenlang mit meiner Vergangenheit auseinandersetzten, wenn ich nicht mal weiss, ob ich denn über die Wahrheit nachdenke? Alles was ich über die Vergangenheit denke, könnte ebenso anders sein. Vielleicht verspüren diese Mitmenschen, die am „Grübeln" sind, deshalb ein Unwohlsein. Es resultieren keine wirklich wahren Antworten auf meine selbst gestellten Fragen. Das ergibt alleine schon eine gewisse Unsicherheit. Ich stelle mir Folgendes vor. 3 Jahre liege ich auf dem Sofa meines Psychiaters. Wir durchleuchten meine Vergangenheit. Endlich, nach 3 Jahren die Lösung. Ich fühle mich erleuchtet. Nun treffe ich einen Mischi Ammann. Ich erzähle ihm von den letzten aufreibenden 3 Jahren. Ich schildere ihm meine Erleuchtung. Er antwortet: „ Woher weisst Du, dass das stimmen soll? Ebenso könnte es nicht stimmen." Nach diesen 2 Sätzen bemerke ich, dass ich während der letzten 3 Jahre etwas unterdrückt habe: mein Erschaffen meiner Gedanken mit den daraus resultierenden Glücksgefühlen. 3 lange Jahre. Und als Resultat bloss eine neue Interpretation. Eigentlich eine neue Rechtfertigung in meinem Leben. Wie wenn ich nicht bereits genug Rechtfertigungen aus meinem Denken erschaffen hätte.
Vergangenheit 2 Warum ich mit meinen Eltern im Reinen sein sollte. Das Einzige, warum ich in meine Vergangenheit zurückkehre.
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